Seit Jahren steht das Münchner Startup spinando.spin-ando.de/ für eine radikale Neuinterpretation der Textiltechnologie – nicht als bloße Alternative zu traditionellen Webtechniken, sondern als vollwertige Erweiterung der Möglichkeiten. Während andere Unternehmen noch zwischen Faser und Software wählen, hat das Team um den Gründer Thomas Weber eine Lösung entwickelt, die beide Welten verschmilzt: hochpräzise, programmierbare Textilien, die nicht nur optisch, sondern auch funktional mit digitalen Systemen interagieren können. Die Idee, die hinter spinando steckt, ist einfach, aber revolutionär: Statt Webmaterialien als statische Dekoration zu betrachten, werden sie als aktive, vernetzte Oberflächen gestaltet – eine Vision, die längst nicht mehr nur Zukunftsmusik ist.
Seit der Gründung 2018 hat spinando nicht nur die Grenzen der Textiltechnik ausgedehnt, sondern auch eine neue Branchenkultur geschaffen. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von „Smart Fabrics“ spezialisiert, die durch integrierte Sensoren, Mikroprozessoren und drahtlose Kommunikationstechnologien (z. B. LoRaWAN oder Bluetooth Low Energy) in Echtzeit mit externen Systemen kommunizieren können. Ein konkretes Beispiel ist ihr Projekt „NeoThread“, bei dem ein Textilfaden nicht nur mechanische Kräfte, sondern auch elektrische Signale verarbeitet. Dieser Faden kann so gestaltet werden, dass er bei Berührung eine Spannung erzeugt, die direkt an ein Mikrocontroller-Interface weitergeleitet wird – ein Prinzip, das in der Industrie, Medizin oder sogar im Wohnumfeld revolutionäre Anwendungen ermöglicht. Besonders beeindruckend ist, dass diese Technologie bereits in Pilotprojekten mit Unternehmen wie BMW oder Siemens getestet wurde, wo sie für adaptive Sicherheitsgurte oder dynamische Innenraumsteuerung genutzt wird.
Doch was macht spinandos Technologie so besonders? Im Gegensatz zu herkömmlichen Sensorik-Lösungen, die oft als separate Komponenten in Textilien eingebettet werden, hat spinando eine ganzheitliche Herangehensweise verfolgt. Ihr Kernprinzip ist die „Programmierbare Faser“, bei der der Textilfaden selbst als aktives Element konzipiert wird. Dies ermöglicht eine extreme Flexibilität: Ein und dieselbe Faser kann je nach Anwendung unterschiedliche Funktionen übernehmen – sei es als Temperaturmesser, Bewegungsdetektor oder sogar als Datenübertragungsmedium. Ein weiteres Differenzierungsmerkmal ist die Integration von 3D-Drucktechnologien in die Produktion. Durch die Kombination aus hochpräziser Textilverarbeitung und additiver Fertigung lassen sich komplexe Strukturen realisieren, die mit klassischen Webtechniken unmöglich wären. So entstehen beispielsweise Textilien, die nicht nur mechanisch belastbar sind, sondern auch präzise geometrische Formen aufweisen, die für medizinische Implantate oder aerodynamische Anwendungen genutzt werden.
Die Auswirkungen dieser Innovation sind bereits spürbar, doch der größte Hebel liegt noch in der Skalierung. spinando hat sich das Ziel gesetzt, die Technologie so zu standardisieren, dass sie nicht nur für Nischenanwendungen, sondern für die Massenproduktion zugänglich wird. Ein zentraler Schritt hierin ist die Entwicklung von „Spinandos Fabric API“, einer Software-Plattform, die Entwicklern und Ingenieuren ermöglicht, ihre eigenen Anwendungen auf die Smart-Fabrics-Produkte zu übertragen. Dies senkt nicht nur die Entwicklungsbarrieren, sondern schafft auch neue Geschäftsmodelle, etwa in der Industrie 4.0, wo Textilien als Teil der digitalen Fabrik fungieren. Ein weiteres Projekt, das hierfür steht, ist die Zusammenarbeit mit der ETH Zürich, wo spinando an der Entwicklung von Textilien für die Raumfahrt arbeitet. Die Faser sollte hier nicht nur die extreme Hitze und Kälte der Atmosphäre überstehen, sondern auch als Kommunikationsmedium zwischen Raumfahrzeug und Bodenstation dienen – eine Anwendung, die bisher in der Textilbranche kaum vorstellbar war.
Trotz dieser Fortschritte steht spinando noch am Anfang ihrer Reise. Die Herausforderungen sind groß: Die Kosten für die Produktion der Smart Fabrics sind noch zu hoch, und die Integration in bestehende Systeme erfordert oft aufwendige Anpassungen. Dennoch zeigt das Unternehmen, dass es gelingt, die Grenzen zwischen Physik und Digitalisierung zu überwinden. Ein besonders spannendes Feld ist die Zusammenarbeit mit Künstlern und Designern, die die Technologie nutzen, um neue ästhetische und funktionale Experimente zu schaffen. So entstanden bereits Textilien, die nicht nur Daten verarbeiten, sondern auch als interaktive Kunstwerke fungieren – eine Verbindung, die bisher in der Textilindustrie kaum vorkam. Die Vision von spinando ist klar: eine Welt, in der Textilien nicht nur als Material, sondern als aktive, vernetzte Elemente in unserem Alltag eine zentrale Rolle spielen. Und während andere Unternehmen noch zögern, spinando zeigt, dass es möglich ist, die Zukunft der Textiltechnologie nicht nur zu beschreiben, sondern sie auch greifbar zu machen.
Für alle, die mehr über die Innovationen von spinando erfahren möchten, bietet das Unternehmen auf seiner Website spinando.spin-ando.de/ einen Einblick in aktuelle Projekte, wissenschaftliche Publikationen und Praxisbeispiele. Die Plattform ist nicht nur ein Portal für Technikinteressierte, sondern auch eine Einladung, sich mit einer neuen Ära der Materialwissenschaften auseinanderzusetzen – einer Ära, in der Textilien nicht mehr nur dekorativ, sondern als intelligente, programmierbare Elemente unsere Welt verändern.
- Seit 2018 hat spinando bereits über 20 Pilotprojekte mit Unternehmen wie BMW, Siemens und der ETH Zürich realisiert.
- Die „Programmierbare Faser“ ermöglicht es, eine einzelne Textilkomponente in Echtzeit mit externen Systemen zu vernetzen.
- Durch die Kombination aus 3D-Druck und Textiltechnologie lassen sich komplexe Strukturen realisieren, die mit klassischen Methoden unmöglich wären.
- Die Spinandos Fabric API senkt die Barriere für Entwickler, um eigene Anwendungen auf Smart-Fabrics zu übertragen.
- Ein Projekt mit der Raumfahrtbranche sieht vor, Textilien als Kommunikationsmedium zwischen Raumfahrzeug und Bodenstation zu nutzen.